Raspberry Pi Grundlagen – Teil 3

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Nachdem wir uns im Teil 1 der Vorbereitung der SD-Card und in Teil 2 der Installation des Betriebssystem gewidmet haben, soll es jetzt in Teil 3 um das Standard-Setup des Betriebssystems gehen.

config.txt

Da der Raspberry Pi, im Gegensatz zu herkömmlichen Computern, über kein BIOS verfügt, übernimmt die config.txt mehr oder weniger diese Funktionalität. Hier können jede Menge Basis-Einstellungen vorgenommen werden. Ein Teil dieser Einstellungen kann ebenfalls über das Raspbian Setup-Tool geändert werden.

Die config.txt ändert man am Besten auf dem Rechner, mit dem man das Image geschrieben hat. Wenn Du dem Tutorial bis hierher gefolgt bist – und davon gehe ich mal aus – dann einfach die Karte kurz aus dem Rechner ziehen und wieder einstecken. Dadurch wird sie erneut gemounted (und bekommt unter Windows einen Laufwerksbuchstaben zugeordnet). Dann einfach die Karte im Explorer/Finder öffnen und die Datei config.txt doppelt anklicken. Damit sollte sich der Standard-Editor Deines Betriebssystems öffnen.

Für eine Liste aller Möglichkeiten gibt es einen sehr guten und ausführlichen Artikel auf elinux.org: http://elinux.org/RPi_config.txt. Für unsere Anwendungsfälle können wir alle benötigten Einstellungen im Setup-Tool vornehmen.

Falls Du Änderungen in der config.txt vorgenommen hast, bitte nicht vergessen, die Karte wieder auszuwerfen. Unter Windows einfach mit der rechten Maustaste auf das Kartensymbol im Explorer klicken und dann „Auswerfen …“ wählen. Unter Mac OS einfach auf das Auswurfsymbol rechts neben der Karte im Finder klicken (oder im Terminal, wie in Teil 2 beschrieben, via diskutil eject). Unter Linux lautet der entsprechende Befehl umount. Alternativ kann man auch hier, wenn Du eine grafische Oberfläche wie gnome oder KDE verwendest, mit der rechten Maustaste das Medium auswerfen.

Erster Start

Nachdem die Karte mit dem Betriebssystem beschrieben wurde, diese einfach aus dem Rechner nehmen und in den Raspberry Pi einstecken. Dann den RasPi mit dem Netzwerk verbinden und Tastatur und Monitor anschließen. Dann nur noch die Stromversorgung anschließen – und schon sollte der Raspberry booten und nach wenigen Sekunden ein Bild auf dem Monitor erscheinen. Falls Du NOOBS verwendet hast, brauchst Du diese Schritte natürlich nicht mehr zu tun 😉

Basis Setup

Sollte der Raspberry Pi direkt in die grafische Benutzeroberfläche starten, kannst Du einfach die Tastenkombination STRG-ALT-F1 benutzen, um auf das Standard-Terminal zu kommen. Normalerweise sollte der RasPi aber ohnehin ohne grafisches Interface starten.

Als erstes musst Du Dich elnloggen. Dazu benutzt Du den Standard-Benutzer „pi“ mit dem Password „raspberry“.

Login: pi
Password:
Linux raspberrypi 3.10.25+ #622 PREEMPT Fri Jan 3 18:41:00 GMT 2014 armv6l

The programs included with the Debian GNU/Linux system are free software;
the exact distribution terms for each program are described in the
individual files in /usr/share/doc/*/copyright.

Debian GNU/Linux comes with ABSOLUTELY NO WARRANTY, to the extent
permitted by applicable law.

NOTICE: the software on this Raspberry Pi has not been fully configured. Please run ’sudo raspi-config‘

pi@raspberrypi ~ $

Jetzt können wir das Konfigurationsprogramm benutzen, um die Basis-Einstellungen vorzunehmen. Dazu (so wie auch beim initialen Screen angezeigt) verwenden wir das Programm raspi-config. Da dieses root-Rechte benötigt starten wir es mit einem vorangestellten „sudo“.

pi@raspberrypi ~ $ sudo raspi-config

raspi-config

Im Tool kannst Du in allen Listen mit den Pfeil-Tasten nach oben und unten navigieren. Um die Aktionen am unteren Rand zu erreichen, benutzt Du die Tab-Taste. Die Aktionen selber werden dann via Enter bestätigt.

Hier nehmen wir jetzt folgende Einstellungen vor:

  1. Expand Filesystem
    • hiermit stellen wir dem Betriebssystem den gesamten Speicherplatz auf der SD-Card zur Verfügung.
  2. Change User Password
    • Das solltest Du unbedingt tun, da das Standardpasswort allgemein bekannt ist und der Benutzer „pi“ mit sehr umfangreichen Rechten ausgestattet ist. Also lieber auf „Nummer Sicher“ gehen.
  3. Enable Boot to Desktop/Scratch
    • Für den Fall, dass Dein RasPi in die grafische Benutzeroberfläche (Desktop) gebootet hat, ist hier die Option, dieses Verhalten zu verändern.
    • Die Option, um in die Kommandozeile zu booten, ist die erste in der Liste: „Console text console, requiring login (default).
  4. Internationalization Options
    1. Change Locale
      • Hier kannst Du auswählen, für welche Sprachen Du Unterstützung installieren willst. Für unsere Anwendungsfälle reichen hier die Unterstützung für Deutsch und Englisch aus. Bei Bedarf kannst Du natürlich weitere Sprachpakete selektieren. Ich empfehle, auf jeden Fall die Pakete „de_DE.UTF-8 UTF-8“ und „en_GB.UTF-8 UTF-8“ zu selektieren.
      • Nach der Bestätigung mit <OK>, solltest Du in dem erscheinenden Dialog „en_GB.UTF-8“ als „Default locale for the system environment:“ auswählen.
      • Eine weitere Bestätigung mit <OK> bringt Dich zurück ins Hauptmenü.
    2. Change Timezone
      • Zuerst wählst Du die geografische Zone aus. Für Deutschland also „Europe“.
      • Im nächsten Fenster dann für die Timezone „Berlin“ selektieren.
      • Nach dem Bestätigen der Auswahl kommst Du wieder zurück zum Hauptmenü.
      • Das Setzen der richtigen Timezone ist sehr wichtig, da sonst bestimmte Funktionen nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung stehen. Abgesehen davon, wäre es doch komisch, wenn die Jalousien schon zwei Stunden vor Sonnenaufgang aufgehen, oder?
    3. Change Keyboard Layout
      • Hier solltest Du ein Tastatur-Layout auswählen, dass Deiner Tastatur am nächsten kommt. Ich empfehle immer die Versionen mit „no dead keys“ zu nehmen, da dann alle Akzentzeichen auch „ohne Verrenkungen“ erreicht werden können. Bei einer Standard-Tastatur empfiehlt sich „Generic 105-key (Intl) PC“ auszuwählen.
  5. Enable Camera
    • Hier kannst Du, wenn benötigt, die Unterstützung für die Raspberry Pi Kamera einschalten. Da wir für unsere Homeautomation-Projekte die Kamera nicht verwenden, bleibt diese Option auf <Disable> stehen.
  6. Add to Rastrack
    • Wenn Du Deinen Pi auf der Rastack-Seite registrieren lassen willst, kannst Du das unter diesem Menü-Punkt tun. Für uns unerheblich 😉
  7. Overclock
    • Wenn Du das letzte Quentchen Performance aus Deinem Pi rausholen willst, dann ist das der richtige Platz dafür. Für alle Settings ab Medium, würde ich den Einsatz von Kühlkörpern für die Chips auf dem RasPi empfehlen.
  8. Advanced Options
    1. Overscan
      • falls das Bild am Rand schwarze Balken aufweist, kann man hier auswählen, ob man overscan einschalten möchte. Die Werte für das Overscanning werden allerdings in der config.txt gesetzt. Da für die meisten Einsatzzwecke in der Hausautomation die Raspberry Pis ohne angeschlossenen Monitor eingesetzt werden, kann man hier getrost <Disable> auswählen.
    2. Hostname
      • Wenn Du willst, kannst Du hier den hostname (der Name, der später im Netzwerk für den Raspberry verwendet wird) ändern. Der Standard-Name ist „raspberrypi“. Ich empfehle einen Namen je nach Einsatzzweck zu vergeben (z.B. nas01, accesspoint01, smarthome, etc.)
    3. Memory Split
      • Hier kannst Du einstellen, wie viel Speicher (von den 512MB) die GPU zugewiesen bekommt. Dabei sind folgende Werte zulässig: 16, 32, 64, 128, 256. Für die meisten Serveranwendungen wird keine grafische Benutzeroberfläche verwendet. Hier kann man den Wert ruhig im unteren Bereich bei 32 oder 16 ansiedeln. Für ein Webterminal würde ich mindestens 128 verwenden. Noch besser vielleicht 256. Hier hilft in den meisten Fällen ausprobieren, was geht.
    4. SSH
      • Falls Du remote auf Dein System zugreifen möchtest (und ja – in den meisten Fällen willst Du das), solltest Du diese Option unbedingt auf <Enable> setzen.
    5. SPI
      • Falls Du Unterstützung für Extension-Boards, wie das PiFace, benötigst, kannst Du diese Option auf <Enabled> setzen. Für unsere Tutorials wird das nicht benötigt. Du kannst die Option also gefahrlos auf <Disabled> belassen.
    6. Audio
      • Hier kannst Du einstellen, ob das Audio-Signal via HDMI oder durch die 3,5″ Klinken-Buchse ausgegeben werden soll. Für den Beginn kannst Du diese Option auf „Auto“ stellen. Sollte die Audio-Ausgabe nicht wie gewünscht funktionieren, kannst Du immer noch versuchen, eine der beiden anderen Optionen zu wählen.
    7. Update
      • Mit dieser Option kannst Du checken, ob es eine neuere Version von raspi-config gibt und diese, bei Bedarf, gleich installieren.
  9. About raspi-config
    • Eine kleine Zusammenfassung der Funktionalität des Tools. Ohne weitere Bedeutung.

Nachdem alle Optionen angepasst sind, wählst Du <Finish> aus und drückst <ENTER>. Danach fragt das Tool, ob Du den Raspberry Pi neu starten willst. Hier wählst Du <Yes> und drückst wieder <ENTER>. Dann startet der Raspberry Pi neu und sollte nach einer kurzen Zeit wieder verfügbar sein.

Falls Du „insserv: warning: script ‚mathkernel‘ missing LSB tags and overrides“ beim Setzen der Optionen angezeigt bekommst – das ist kein Fehler im herkömmlichen Sinne, sondern bedeutet, dass das Skript zum Starten von „mathkernel“ nicht systemkonform ist. Das lässt sich jedoch sehr einfach beheben.

pi@raspberrypi ~ $ sudo nano /etc/init.d/mathkernel

dann am Anfang der Datei, direkt nach „#!/bin/bash“ folgendes einfügen

### BEGIN INIT INFO
# Provides: mathkernel
# Required-Start: $local_fs
# Required-Stop: $local_fs
# Default-Start: 2 3 4 5
# Default-Stop: 0 1 6
# Short-Description: mathkernel
### END INIT INFO

danach mit „STRG-X“, „Y“, die Änderungen speichern.

System-Aktualisierung

Nachdem das grundlegende Setup abgeschlossen ist, sollte man als nächstes alle verfügbaren Aktualisierungen einspielen. Dazu einfach die beiden folgenden Kommandos absetzen (Achtung: beim ersten Mal kann das einige Zeit dauern):


pi@raspberrypi ~ $ sudo apt-get update
Get:1 http://raspberrypi.collabora.com wheezy Release.gpg [836 B]
Get:2 http://archive.raspberrypi.org wheezy Release.gpg [490 B]
Get:3 http://mirrordirector.raspbian.org wheezy Release.gpg [490 B]
Get:4 http://raspberrypi.collabora.com wheezy Release [7,529 B]
Get:5 http://archive.raspberrypi.org wheezy Release [7,227 B]
Get:6 http://mirrordirector.raspbian.org wheezy Release [14.4 kB]
Hit http://repository.wolfram.com stable Release.gpg
Hit http://repository.wolfram.com stable Release
Get:7 http://archive.raspberrypi.org wheezy/main armhf Packages [18.0 kB]
Get:8 http://raspberrypi.collabora.com wheezy/rpi armhf Packages [2,214 B]
Get:9 http://mirrordirector.raspbian.org wheezy/main armhf Packages [6,886 kB]
Hit http://repository.wolfram.com stable/non-free armhf Packages
Ign http://raspberrypi.collabora.com wheezy/rpi Translation-en_GB
Ign http://archive.raspberrypi.org wheezy/main Translation-en_GB
Ign http://raspberrypi.collabora.com wheezy/rpi Translation-en
Ign http://archive.raspberrypi.org wheezy/main Translation-en
Ign http://repository.wolfram.com stable/non-free Translation-en_GB
Ign http://repository.wolfram.com stable/non-free Translation-en
12% [9 Packages 753 kB/6,886 kB 11%] 102 kB/s 60s
...


pi@raspberrypi ~ $ sudo apt-get upgrade
Reading package lists... Done
Building dependency tree
Reading state information... Done
The following packages have been kept back:
wolfram-engine
The following packages will be upgraded:
apt apt-utils base-files curl dpkg dpkg-dev file idle-python2.7 jackd2 libapt-inst1.5 libapt-pkg-dev
libapt-pkg4.12 libc-bin libc-dev-bin libc6 libc6-dev libcurl3 libcurl3-gnutls libdpkg-perl libgnutls26
libjack-jackd2-0 libjbig0 liblcms2-2 libmagic1 libobrender27 libobt0 libopenjpeg2 libpython2.7
libraspberrypi-bin libraspberrypi-dev libraspberrypi-doc libraspberrypi0 libsmbclient libsoup-gnome2.4-1
libsoup2.4-1 libssl1.0.0 libwbclient0 libxfont1 libxml2 libyaml-0-2 locales lsb-base multiarch-support omxplayer
openbox openssh-client openssh-server openssl perl perl-base perl-modules python-rpi.gpio python2.7
python2.7-minimal python3-pifacedigital-scratch-handler python3-rpi.gpio raspberrypi-bootloader rpi-update
samba-common smbclient ssh tzdata udisks wget
64 upgraded, 0 newly installed, 0 to remove and 1 not upgraded.
Need to get 106 MB of archives.
After this operation, 8,961 kB disk space will be freed.
Do you want to continue [Y/n]?
Get:1 http://archive.raspberrypi.org/debian/ wheezy/main libjack-jackd2-0 armhf 1.9.8~dfsg.4+20120529git007cdc37-5+rpi2 [185 kB]
Get:2 http://mirrordirector.raspbian.org/raspbian/ wheezy/main base-files armhf 7.1wheezy5+rpi1 [67.7 kB]
Get:3 http://archive.raspberrypi.org/debian/ wheezy/main jackd2 armhf 1.9.8~dfsg.4+20120529git007cdc37-5+rpi2 [643 kB]
Get:4 http://mirrordirector.raspbian.org/raspbian/ wheezy/main dpkg armhf 1.16.14+rpi1 [2,589 kB]
Get:5 http://archive.raspberrypi.org/debian/ wheezy/main omxplayer armhf 0.3.5~git20140322~39e6342 [2,897 kB]
4% [4 dpkg 1,342 kB/2,589 kB 52%] [5 omxplayer 2,265 kB/2,897 kB 78%] 379 kB/s 4min 28s

Die Abfrage „Do you want to continue [Y/n]?“ bitte mit „Y“ bestätigen. Danach werden alle benötigten Updates heruntergeladen und installiert.

Damit sind wir am Ende der Grundlagen Tutorials angekommen. Weiter geht es dann mit den Tutorials zu den speziellen Themen wie NAS, WLAN Access Point oder smarthome/smartVISU.

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